11.05.12, Freitag
Für heute beschließen wir
gezwungenermaßen mal das italienische Gesundheitssystem zu testen.
Seit ungefähr einer Woche fühlt sich
Petra von Mücken gepiesackt. Seit drei Tagen hat sie heftige
Kopfschmerzen. Die letzten Tage waren wohl so richtig kein Genuss
für sie. Ich erkläre feierlich, diesmal war ich nicht der Grund
dafür.
Allora, nach dem Frühstück zum
Ospedale. Vorher Tickets kaufen und per Street View von Googel Maps
im Office erklären lassen, wo es lang geht und wie es an der
Notaufnahme aussieht. Toll, was die Technik so kann.
Na ja, so einfach war das nicht: die
Bediensteten der Verkehrsbetriebe streiken heute. Das wissen wir
später.
Zuerst zur Tram, lange Zeit kommt keine
Bahn. Wir stehen und warten, wir stehen und warten, in keine Richtung
fährt eine Bahn. Hier stimmt was nicht, ok, wir haben ja eine
Alternative, den Bus 105. Der kommt auch und wie es sich gehört
steigen wir zu früh aus. Der Bus hält öfter als die Straßenbahn.
Richtig, wir haben wieder etwas gelernt.
Aussteigen und zur Notaufnahme. Eine
englisch sprechende Schwester / Ärztin wird für uns geholt, wir
erklären, dass vor rund 10 Tagen ein Insekt Petra attackiert hat und
das seit etwa fünf Tagen richtig gute Kopfschmerzen für wenig Spaß
bei Petras Unternehmungen gesorgt haben.
Nach zwei Stunden Beobachtungen in
einer italienischen „Pronto Soccorso“ kommen wir endlich dran.
Eine Spritze muskulär in den Po, Hose runter vorbeugen und rein,
zwei weitere Patientinnen im gleichen Raum, eine aufgelöste Tablette
in den Mund und ein Rezept für eine Paste, das wars und ging ganz
schnell.
Vorher haben wir mit viel Spaß die
Situation beobachtet. Jeder neue Patient telefoniert erst mal mit
seinen Angehörigen, diese erscheinen dann nach rund einer halben
Stunde und reden lautstark mit der/dem Kranken. Das Telefon steht bei
keinem still. Italien ist das Land der Handys. Drei, manchmal vier
Tragen stehen mit Kranken herum. Eine davon spuckt in einen mit einer
Plastetüte ausgefüllte Pappkarton. Alle sind ganz entspannt, es ist
für unsere Mentalität irgendwie seltsam.
Nach einer Stunde beobachten vergeht
auch dieser anfängliche Spaß, jetzt wird’s langweilig und wir
möchten behandelt werden. Nach einer weiteren Stunde passiert dies
auch. Siehe oben.
Zurück, bei den Verkehrsbetrieben wird
immer noch gestreikt. Also laufen wir zurück.
Es ist unglaublich warm, wir suchen
ganz bewusst den Schatten.
Entsorgen, versorgen, Wohnmobil
abwaschen und dann geht’s weiter Richtung Norden an den Trasimeno –
See. Nach kurzem erkunden stellen wir fest, hier kann man als
Mecklenburger nicht baden. Unser Nachbarn aus der Uckermark
bestätigen dies.



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