Samstag, 7. April 2012

10. Cefalu - Wasserpumpe - Enna Nabel Siziliens - Prozession



05.04.12, Donnerstag
Heute vor 225 Jahren war Geheimrat Goethe auch auf Sizilien, zwei Tage vorher in Palermo angekommen. Es war auch ein Donnerstag und Ostern lag genauso wie in diesem Jahr. Wir werden seine Reise nicht nachvollziehen, zum Anderen wäre genau das sicher sehr reizvoll.
Beim Aufstehen stellen wir fest, dass die Wasserpumpe ihre Aufgabe nicht mehr erfüllt.
Also Wasserpumpe ausbauen, dafür muss alles was den Wassertank umhüllt und überbaut, entfernt werden. Polster der Sitzbank weg, auf´s Bett, darunterliegendes Brett abschrauben und auch auf´s Bett, eingepassten Tankdeckel vorsichtig entfernen, Elektroanschlüsse auch vorsichtig entfernen, Kabel und Wasserschlauch durch den Deckel ziehen. Ergebnis die Pumpe ist wirklich defekt, der Rotor ist aus Plaste und nach rund sieben Jahren im Gebrauch an der Sollbruchstelle kaputt gegangen.
Das Innenleben unserer Sitzbank

Eine neue Pumpe muss her! Das junge Paar aus Konstanz am Bodensee bietet uns ihre Ersatzpumpe an, die sie beim Kauf ihres WoMo´s mitbekommen haben. Das ist nett, wir wollen aber erst mal versuchen, ob wir nicht in Cefalu eine Wasserpumpe bekommen. Ist ja schließlich Touristenhochburg mit Seglerhafen, da muss es doch so etwas geben.
Auf der Promenade treffe ich eine deutschsprechende Einheimische, Mutter Östereicherin, die mir den Weg zum Gartencenter erklärt. Mit einem freundlich, joggenden Italiener verständige ich mich mit Händen und Füßen. Auch er beschreibt mir den Weg in die Via Roma zum Gartencenter.
Wir also auf die Räder und ab zum Pumpe suchen. Kurz und gut: in Cefalu gibt es keine Wasserpumpe für unsere Zwecke. Weder in der Stadt noch im Sportboothafen, dort haben wir rund 2 ½ Stunden gewartet, unsere Siesta verbracht.
Zurück zur Promenade und das Angebot der Konstanzer angenommen. Das Einbauen war bei der Vorbereitung schnell erledigt.
Gegen 6 Uhr nachmittags sind wir dann los, nach Enna ins Landesinnere / Inselinnere. Die Autobahn A19 ist gebührenfrei, fährt sich jedoch nicht gut. Sehr viele Querabsätze, da sie zum großen Teil auf Ständern verläuft.
Die Landschaft ist hügelig, lieblich. Die Felder leuchten grün, am Himmel wechseln Sonne und Wolken sich ab; so stellen wir uns die Highlands in Schottland vor.
Auf einem hohen Berg liegt Enna, schon von weitem zu sehen, es wird langsam dunkel. Auf einer sehr steile Straße windet sich unser Ducato mit uns bergauf. Und oben in der Stadt ist jetzt um 20.00 Uhr Dauerstau. Wir stauen uns mit den anderen Autos so durch und finden an einem Park unseren Nächtigungsplatz.

06.04.12, Karfreitag
Das Frühstück ist Vergangenheit. Ich habe vorhin mit einem Mann gesprochen, die Prozession beginnt heute Abend um 19.00 Uhr an einer Kirche. Mal seh´n, wo das ist.
Wir besichtigen die Burganlage und bewundern den Ausblick von unserem Felsen auf die unten liegenden Täler und Erhebungen. Alles sieht wie im Spielzeugland aus. Der Ätna ist leider nicht zu sehen, da die Luft leicht diesig ist.
Burg und Stadtsiluette von Enna

Wie hoch Enna liegt läßt sich hier nur erahnen
Weiter geht’s in die Stadt um den Ablauf der Prozession herauszubekommen. In einem Reisebüro informiert uns ein junger Mann über die Prozession. Vor Jahren war er für ein halbes Jahr zu einem von der EU finanzierten Praktikum in Halle - Bruckdorf in einem dortigen Reisebüro, jetzt hat er sein eigenes hier.
Um 15.00 Uhr soll an einer Kirche etwas sehenswertes losgehen. Wir also dorthin, und warten und warten und warten.
Petra versucht herauszufinden, wann es hier losgeht.

Die "schwarze" Bruderschaft vor ihrer Kirche

Die "braune" Bruderschaft vor ihrer Kirche

Jetzt wissen wir was da losgeht: Die Mitglieder der Bruderschaften treffen langsam an ihren Kirchen ein und bereiten sich vor. In der Kirche ist Christus aufgebahrt, die Mutter Maria, jede Menge Reliquien und Gegenstände, die zum Beispiel die Sünden symbolisieren, christliche Musik untermalt die Szene. Ansonsten ist es ein Kommen und Gehen.
Irgendwann ist die Bruderschaft vollständig und marschiert zum Dom um von dort die Prozession mitzugestalten.
Nach etwa zwei Stunden gehen wir zurück zum WoMo und halten hier bis um sechs Siesta.
Pünktlich um sieben sind wir am Dom und erleben den Start der Prozession. Diese wird schon 751 Jahre durchgeführt und geht auf die spanische Epoche zurück. Die Bruderschaften stellen sich auf und gehen langsam los.
Abmarsch der "rosa" Bruderschaft

Detail auf dem Stab dieser Bruderschaft

Die kleinen Madonnen

In dieser Bruderschaft waren viele Kinder, viele Muttis sind stolz nebenher gegangen

Mit Stolz wird das Symbol der Bruderschaft getragen - vier Stunden im langsamsten Gang durch die ganze Stadt!

Bei 15 Bruderschaften dauert das schon eine Stunde. Zwischendurch singt begleitet von einer Blaskapelle ein Chor auf den Stufen des Doms. Gewaltige Musik!
Für mich beängstigend sind die vermummten Kapuzenmänner. Diese unter der Kapuze anonyme Masse sollte vor Zeiten bestimmt auch Angst verbreiten.
Jetzt sollen die Bruderschaften eher folkloristisch tätig sein, das bezeugen auch die vielen Kinder und Jugendlichen, die sich unter den Vermummungen verbergen.
Zum Schluss werden der Sarg mit Jesus Christus und der Schrein mit der Mutter Maria aus dem Dom getragen. Chor und Musik begleiten diesen Vorgang an dem jeweils etwa 80 Männer beteiligt sind.

Das ist unglaublich emotional beeindruckend und lässt die Kraft solcher Zeremonien deutlich werden. Mit langsam schwingendem Gleichschritt werden Sarg und Schrein durch die Stadt getragen. Da das rund drei Stunden dauern soll schauen wir uns an drei Stellen das Vorbeitragen an und gehen zurück zum Auto.
Pünktlich um 11 sind wir zurück am Dom um uns die Ankunft anzusehen. Wie sich herausstellt sind wir fast eine Stunde zu früh, so dass das Warten, stehend auf den Domtreppen, zur Tortur wird.
Nach vier Stunden kommen die Bruderschaften erschöpft zurück
Nachdem alle Bruderschaften zurück sind werden als krönender Abschluss beide Schreine über die Treppen zum Dom hineingetragen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen