1. April 2012, Sonntag
Über Nacht haben wir wieder auf
unserem Platz an der Promenade gestanden. Bis in den frühen Morgen
war Bewegung, die Jugendlichen haben die sternklare und fast schwarze
Sonnabendnacht feiernd am Strand verbracht. Trotz des hohen
Lautstärkepegels ging alles friedlich zu, wir hatten keine Sorge um
uns und unser Auto. Es scheint auch wenig Alkohol im pubertären
Spiel gewesen zu sein.
Punkt 9.30 Uhr fahren wir mit dem
Tragflächenboot zur Insel Vulkano. Nach einer dreiviertel Stunde
sind wir angekommen. Das Tragflächenboot ist recht laut und ähnelt
innen einer Flugzeugkabine, allerdings etwas großzügiger.
Luigi, ein hier ansässiger
Deutschitaliener aus dem Schwabenland mit seiner Freundin/Frau
erklären uns den Weg nach oben.
Es sieht ganz schön steil aus.
Zweifel kommen auf, ob Petra das mit ihrem Knie das schaffen wird.
Wir erinnern uns an die alte Wanderregel Nr. 1: Wer weit kommen will
muss langsam gehen. Genau das machen wir und Petra kommt ohne
Schmerzen bis hoch auf den höchsten Punkt des Kraterrandes.
Zwischendurch ist Eintritt zu bezahlen: 3€ pro Person. Die Dame am
Einlass erzählt uns, dass wir heute die ersten sind, die auf den
Vulkano wollen.
Hinweisschilder zeigen uns an, dass es
angeblich 800m dann 600m, 400m, 200m und schließlich 100m bis zum
Krater sind. Diese Angaben kann man getrost vergessen, entweder wird
hier mit anderem Maß gemessen, oder diese Angaben sind zur
Motivation gedacht: „Soweit ist es gar nicht mehr, Mensch überwinde
dich!“.
Der Weg nach oben ist recht steil, der
Untergrund ist aus aus kleinformatigen Steinchen, tiefem Sand und
Staub. Geschlossenes, festes Schuhwerk ist angebracht. Petras offene
Trekkingsandalen sind nicht zweckmäßig. Ich hatte mir gestern
Abend, am Sonnabend gegen 20.00 Uhr, neue leichte Wanderschuhe
gekauft. Das war eine gut Idee!
Endlich, irgendwann, immer schön
langsam (Evi, du erinnerst dich bestimmt an unsere gemeinsame
Bezwingung des Olymp vor vielen Jahren), sind wir am Kraterrand.
Beeindruckend, hier am Namensgeber
aller Vulkane dieser Welt zu stehen und in den Schlund hinein
zusehen. Links steigen richtig große Schwefelschwaden auf, hinten an
der gegenüberliegenden Kraterwand steigen ebenfalls kleine
Schwefeldampffäden auf. Unten auf dem Grund haben ganz mutige vor
einiger Zeit mit Steinen Wörter gelegt. Vor dem Einatmen der Dämpfe
hier oben sind wir vorhin nochmal durch Luigi gewarnt worden. Es
stinkt auch noch weit weg ganz gewaltig nach Schwefelwasserstoffen.
Der Kraterrand ist fast kreisrund, auf
der gegenüberliegenden Seite geht es nochmal steil hoch und sieht
beschwerlich aus. Einmal rum ist bei allen Bedenken Pflicht, also
immer schön langsam nach der Wanderregel Nr. 1. Die Aus- und
Einblicke lohnen die Kraterumrundung. Oben angekommen weitet sich der
Blick nochmal auf die umliegenden Inseln. Von hier können wir auch
den schneebedeckten Ätna mit einer zarten Rauchwolke und auf der
anderen Seite im Dunst noch den Stromboli sehen.
![]() |
| Chaos durch Selbstauslöser verursacht, hier oben waren wir allein |
Petra ist so überwältigt dass sie
sieben SMS abschicken muss.
Die ausgedehnte Brotzeit haben wir uns
redlich verdient.
Der Abstieg ist zwar schneller, aber durch den
Schotter-Sand-Staub-Dreck teilweise rutschend auch zum Teil
unangenehm. Unten angekommen werden die Schuhe und Strümpfe
ausgeschüttelt und weiter geht’s in die nächste Kneipe. Kaffee,
Kuchen und Bier tun gut und verkürzen die Zeit bis zur Abfahrt
unseres Tragflächenbootes.
Da wir staubig und durchgeschwitzt sind
ist eine Dusche Pflicht, diese finden wir auf dem ab heute geöffneten
Campingplatz.
02.04.12, Montag
Campingplatz Smeralda Beach, Milazzo
Es ist jetzt 11.39 Uhr Laptopzeit, es
ist gefrühstückt und dieser Bericht ist fast zu Ende geschrieben.
Die Sonne scheint , die Wellen plätschern, ein wenig Wind geht,
kurz: es ist einfach schön, unsere Welt ist in Ordnung.












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